Innenstadtentwicklung

Großer Plan für die City wird zur Geduldsprobe

Bei der Ideenmeisterschaft zur Entwicklung der Bremer Innenstadt sind von den Fachleuten viele Vorschläge gemacht worden. Doch es gibt Zweifel an der Finanzierung.
02.11.2018, 06:00
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Großer Plan für die City wird zur Geduldsprobe
Von Jürgen Hinrichs

Die Lloydpassage als Gewächshaus, bespielt von der Botanica. Neue Gebäude, die ins Auge stechen, markant sind und im Zweifel auch hoch. Attraktionen wie ein Riesenrad und ein Zeppelin, der dort startet und landet, wo heute das Parkhaus Mitte steht. Neue Wege und Plätze. Eine andere Mobilität. Das ist eine Auswahl der Ideen für die City, über die jetzt diskutiert wird, zuletzt in dieser Woche beim Innenstadtforum in der Bürgerschaft. Gleichzeitig wächst die Ungeduld.

„Die Stadt muss in die Gänge kommen“, sagt Hellena Harttung, Leiterin des Ortsamtes Mitte. Mit Geld und Planung, meint sie, für die Infrastruktur in der Innenstadt. Und mit Personal, das für die Gesamtaufgabe konzentriert werden müsse. „Das kann man nicht nebenher machen, wir brauchen eine ressortübergreifende Task-Force.“

„Wir müssen Gas geben“

Die Forderung ist nicht neu. Seit im Sommer vergangenen Jahres die Pläne des Bremer Unternehmers Kurt Zech bekannt wurden, das Parkhaus Mitte abzureißen, um die Innenstadt an der Stelle vollkommen umzukrempeln und dabei die Immobilien von Karstadt und Kaufhof mit einzubeziehen, ist klar, dass die Stadtverwaltung sich so aufstellen muss, dass die Vorhaben der privaten Investoren qualifiziert begleitet werden können und zugleich eine öffentliche Teilhabe organisiert wird.

Die Architektenkammer hatte eine Stadtentwicklungsgesellschaft vorgeschlagen. Das blieb aber ohne Widerhall. „So eine Gesellschaft müsste man erst einmal gründen, das dauert zwei Jahre, so viel Zeit haben wir nicht“, erklärt Jan-Peter Halves, Geschäftsführer der City-Initiative, in der sich die Innenstadt-Kaufleute zusammengeschlossen haben. Halves denkt in diesem Fall wie die Ortsamtsleiterin: „Wir müssen Gas geben.“

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Den Vorschlag einer Task-Force findet er gut. „Es gibt genügend gute Leute in der Stadt, man muss sie nur mit den nötigen Kompetenzen ausstatten.“ Die Bauvorhaben der nächsten Jahre seien dermaßen komplex, dass sie von Seiten der Stadt am besten mit einem festen Team bearbeitet werden sollten, das sich mit nichts anderem beschäftigt als mit der Innenstadt.

Halves stellt Fragen, die offenbar nicht nur ihn umtreiben. „Ich bin beim Innenstadtforum von vielen Leuten angesprochen worden, die wissen wollen, wie sich die konkreten Pläne der Investoren mit den Ansprüchen der Stadtgesellschaft verbinden lassen.“ Ein Beispiel sei das Thema Wohnen. „Natürlich brauchen wir mehr Wohnungen und damit mehr Leben in der Innenstadt. Haken drunter“, erklärt der Geschäftsführer und schiebt sofort einen Einwand hinterher: „Wohnen im großen Stil wird rund um das Parkhaus kaum gelingen, so wenig wie großflächige öffentliche Nutzungen.“

Sitzgelegenheiten, mehr Grün und Ruhezonen

Wer für Abriss und Neubau auf dem Areal Geld ausgebe, wolle schließlich auch etwas davon haben – Einnahmen aus der Vermietung an gastronomische Betriebe zum Beispiel oder an Einzelhändler. Schön und gut, wenn man jetzt überlege, die Universität in die City zu holen oder ein weiteres Museum, „aber wer soll das bezahlen?“. Harttung gibt die Antwort so: „Die Stadt muss sich bekennen und Geld in die Hand nehmen.“

Für ein offenes Zentrum mit starker öffentlicher Nutzung, wie es im September von den Fachleuten bei der sogenannten Ideenmeisterschaft favorisiert wurde, erkenne sie noch keine Initiativen. „Die sind aber notwendig, bevor von privater Seite die nächsten Pflöcke in die Erde geschlagen werden.“ Die Ortsamtsleiterin will noch in diesem Monat zu einer Veranstaltung einladen, bei der über das Thema vertiefend gesprochen werden soll.

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Große Projekte, große Ideen, doch werden die Bürger gefragt, was sie sich für die Innenstadt wünschen, so wie es vor der Ideenmeisterschaft gemacht wurde, steht oben auf der Liste ganz unspektakulär so etwas wie Sitzgelegenheiten, mehr Grün und Ruhezonen. Mit ein wenig Abstand folgen eine gute Verkehrsführung und ein vielfältiges gastronomisches Angebot. Die letzten Plätze auf der Skala der Umfrage belegen eine attraktive Fußgängerzone, der Ausbau des Wohnungsmarktes und kostengünstige Parkplätze. Diese Punkte werden von den Bürgern als nicht so wichtig erachtet.

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