Belastung mit Chemikalie PFOS

Abdichtung soll Ochtum sauber halten

Nachdem bei Fischen aus der Ochtum erhöhte Werte der Chemikalie PFOS nachgewiesen wurden, soll nun eine weitere Belastung des Wassers verhindert werden. Das geht aus einem Schreiben der Landesregierung hervor.
13.12.2019, 21:40
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Abdichtung soll Ochtum sauber halten
Von Esther Nöggerath

Im Frühjahr dieses Jahres ist bekannt geworden, dass man die Fische aus der Ochtum besser nicht essen soll. Eine entsprechende Verzehrwarnung hatte das Verbraucherschutzministerium des Landes Niedersachsen herausgegeben, nachdem bei einigen Fischen aus dem Gewässer eine erhöhte Belastung mit Perfluoroctansulfonsäure ( PFOS ) nachgewiesen worden war. Es bleibt die Frage, wie es in der Angelegenheit weiter geht. Denn während Niedersachsen und insbesondere Bremen daran arbeiten, die Ursachen zu beheben, verzeichnen vor allem die Fischer durch die Empfehlung auch Ertragseinbußen. SPD-Landtagsabgeordneter Deniz Kurku hatte Ende Oktober dazu eine entsprechende Anfrage an die Niedersächsische Landesregierung gestellt, nun liegt die Antwort dazu vor.

Im September ist laut Landesregierung der Flughafen von Bremen dazu angeordnet worden, eine hydraulische Sanierung des Grundwassers im Bereich des Feuerwehrübungsplatzes durchzuführen. Aktuell laufe das Vergabeverfahren für diese Sanierung. Denn PFOS, die zu den Perfluorierten Chemikalien (PFC) zählt, war durch Löschschaum, der bis vor etwa 15 Jahren auf dem Bremer Flughafen bei Löschübungen eingesetzt worden war, in den Boden des Flughafengeländes gesickert und schließlich durch das anfallende Drainagewasser über das Entwässerungssystem in die Grollander Ochtum gelangt. „Des Weiteren wird durch eine Abdichtung von Teilen des Kanalsystems der Oberflächenentwässerung zukünftig verhindert, dass PFC-belastetes Grundwasser in dieses eindringen kann“, berichtet die Landesregierung.

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Das Verbraucherschutzministerium hatte nach Bekanntwerden des Problems im Frühjahr Untersuchungen der Ochtum-Fische beauftragt. Insgesamt 146 Flussfische sind danach aus den niedersächsischen Abschnitten der Ochtum auf ihren Gehalt an PFOS sowie Perfluoroctansäure (PFOA) untersucht worden. Beprobt wurden die vier Fischarten Aal, Brasse, Rotauge und Flussbarsch. Die Substanz war in allen Proben nachweisbar. Dabei gab es durchaus Unterschiede zwischen den Fangstellen und den Fischarten.

Kein Verzehrverbot

Besonders hoch waren die Werte bei Proben aus der Nähe zur Grollander Ochtum. Allerdings gibt es für PFOS bislang noch keinen gesetzlich festgelegten Grenzwert, daher nur die „Verzehrwarnung“ und kein Verbot. Letztlich steht es jedem frei, ob er trotzdem in der Ochtum angeln möchte oder nicht. Laut Mitteilung der Landesregierung hat die Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz in diesem Zusammenhang aber bereits im November den Bund darum gebeten, sich für gesetzlich definierte Höchstmengen von PFOS und PFOA einzusetzen. „Hierdurch soll innerhalb der EU ein einheitliches Vorgehen gewährleistet und zugleich Rechtssicherheit geschaffen werden“, heißt es.

In dem Schreiben geht das Ministerium für Umwelt, Energie, Bauen und Klimaschutz auch auf die Frage ein, inwieweit möglicherweise Entschädigungsansprüche seitens der Fischereiberechtigten besteht, die Verluste durch die Verzehrwarnung hinnehmen mussten. Da allen Verbrauchergruppen bis auf Weiteres vom Verzehr dort geangelter Fische abgeraten wird, seien die Fischer „insofern geschädigt, dass derzeit keine fischereilichen Erträge abgeschöpft werden können und deshalb auch der Pachtwert der betroffenen Fischereirechte mit 'Null' anzusetzen wäre“, heißt es in dem Schreiben. Welche Entschädigungsleistungen sich daraus möglicherweise ergeben könnten, müsste juristisch geprüft werden: „Fischereiberechtigten steht für die Durchsetzung möglicher Ansprüche der Rechtsweg offen. Grundlage für mögliche Entschädigungsansprüche sollte das fischereiliche Gutachten eines externen Sachverständigen sein.“

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Die Gruppe SPD & Partner im Stadtrat sowie der Delmenhorster Unterbezirk der SPD fordern in der Angelegenheit nun auch noch einmal eine Untersuchung des Ochtumwassers. Das geht aus einem Antrag an die Delmenhorster Stadtverwaltung hervor, den die Fraktion Anfang November gestellt hat. Demnach soll das Wasser der Ochtum und abgehender Gewässer ebenso wie das Grund- und Trinkwasser und das Erdreich in diesen Bereichen auf die Verunreinigung durch PFOS hin untersucht werden.

Vorsorge zum Schutz der Bürger der Stadt

"Es geht der Gruppe SPD & Partner nicht um Schuldzuweisung, auch nicht gegenüber dem Land Bremen und auch nicht gegen den Flughafen", beteuerte Detlef Roß, SPD-Ratsherr und Vorsitzender des betroffenen Delmenhorster Fischereivereins, in dem Antrag. Sondern es gehe um die Vorsorge zum Schutz der Bürger der Stadt. Außerdem wollen die Sozialdemokraten wissen, ob auch die Delmenhorster Feuerwehr Löschschaum mit PFOS verwendet hat und was die Stadtverwaltung bisher in Eigeninitiative in der Angelegenheit unterkommen hat. Eine Antwort seitens der Verwaltung lag der SPD bis Mittwoch noch nicht vor.

Die Ochtum ist übrigens nicht der einzige Fluss, aus dem man laut Landesregierung besser keine Fische verzehren sollte. Bereits im Rahmen eines 2009/2010 durchgeführten Niedersächsischen Flussfischmonitorings wurden Flussfische aus niedersächsischen Flüssen auf PFOS untersucht. „Dabei wurde festgestellt, dass die PFOS-Höhe der Belastung von Aalen in Elbe und Ems, gemessen am damaligen Richtwert, bereits als kritisch zu beurteilen war“, heißt es. Daher rate eine vom Ministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz im Frühjahr 2011 veröffentlichte Verzehrempfehlung grundsätzlich vom Verzehr von Aalen aus Elbe, Ems und Weser ebenso ab wie vom Verzehr von Brassen aus Weser und Aller.

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