Fußball-Regionalliga Wie Kerem Sari zur Atlas-Entdeckung der bisherigen Saison wurde

Im öffentlichen Fokus standen zumeist die Offensivspieler, doch in der Abwehr hatte ein 19-Jähriger großen Anteil daran, dass der SV Atlas Delmenhorst die Regionalliga-Aufstiegsrunde erreicht hat: Kerem Sari.
05.01.2022, 19:00
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Wie Kerem Sari zur Atlas-Entdeckung der bisherigen Saison wurde
Von Christoph Bähr

Tom Schmidt war der Held des Tages. Mit seinem Tor hatte er den SV Atlas Delmenhorst zum 1:0-Sieg über Werder Bremens U 23 und damit in die Aufstiegsrunde der Fußball-Regionalliga Nord geschossen. Nachdem die Fans Schmidt ausgiebig gefeiert hatten, wollte der Offensivspieler aber gar nicht über sich, sondern lieber über einen Teamkollegen sprechen. "Was der da hinten mit seinen 18 Jahren alles wegrasiert hat, ist der Wahnsinn", sagte Schmidt staunend und meinte Kerem Sari. Der Innenverteidiger, der am 21. Dezember 2021 seinen 19. Geburtstag feierte, ist die Entdeckung der bisherigen Saison beim SVA. Sari hat sich einen Stammplatz gesichert und mit seinen Leistungen nicht nur Tom Schmidt zum Staunen gebracht. Der Sportliche Leiter Bastian Fuhrken sagt: "Kerem hat unsere Erwartungen sogar fast übertroffen."

Als Sari vor der Saison zum SV Atlas wechselte, hatte er schon etwas vorzuweisen. Als Kapitän von Rot-Weiß Essen hatte er zuvor in der U 19-Bundesliga gespielt – gegen Gegenspieler wie Supertalent Youssoufa Moukoko von Borussia Dortmund. Trotzdem kam er eben aus dem Jugendfußball, und nach dem Wechsel in den Herrenbereich brauchen viele Talente eine gewisse Eingewöhnungszeit, weil es bei den Großen doch etwas härter zugeht. Kerem Sari dagegen hat sich bemerkenswert schnell zurechtgefunden. "Ehrlich gesagt hatte ich keine Umstellungsprobleme", sagt der 19-Jährige. "Natürlich geht es im Herrenbereich etwas härter zur Sache, aber mein Spiel ist ohnehin so, dass ich nicht zurückziehe."

Im Probetraining überzeugt

Die körperliche Robustheit und das starke Zweikampfverhalten seien auch zwei wichtige Gründe dafür gewesen, dass sich der SV Atlas für die Verpflichtung Saris entschieden habe, berichtet Bastian Fuhrken. Anfang des vergangenen Jahres trainierte der Defensivspieler zweimal zur Probe beim Regionalligisten mit. "Nach der ersten Einheit war schon klar, dass wir ihn haben wollen", sagt der Sportliche Leiter. Und auch Sari wollte unbedingt nach Delmenhorst wechseln: "Ich habe mich im Team sofort sehr wohlgefühlt und hatte das Gefühl, dass der Wechsel zu Atlas genau der richtige Schritt für mich ist. Das Gefühl war richtig."

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Zu Beginn der Spielzeit hatte Sari mit einer Oberschenkelverletzung zu kämpfen. Erst am vierten Spieltag beim Lüneburger SK (2:2) gab er sein Atlas-Debüt und spielte eine Halbzeit lang. Trainer Key Riebau führte den Youngster behutsam an die Mannschaft heran. Erstmals von Beginn an spielte Sari Ende September und köpfte in der Partie beim BSV Rehden gleich den 2:1-Siegtreffer. Inzwischen ist er unumstrittener Stammspieler in der Innenverteidigung. Zehnmal stand er in der Startelf, dabei verbuchte Atlas fünf Siege, zwei Unentschieden und drei Niederlagen. "Ich bin sehr zufrieden mit dem bisherigen Saisonverlauf. Ich habe von Anfang an gesagt, dass wir in die Aufstiegsrunde kommen wollen, und das haben wir geschafft", sagt Sari.

Bremer Topstürmer abgemeldet

Der 19-Jährige bestach bei seinen Einsätzen vor allem durch Zweikampfstärke, Abgeklärtheit und seine Mentalität. Gegen Werders U 23 feierte Sari zum Beispiel einen gewonnenen Zweikampf im eigenen Strafraum, als hätte er gerade ein Tor erzielt. "Kerem ist ein Mentalitätsmonster", unterstreicht Fuhrken. "Der will auch im Training jeden Zweikampf und jedes kleine Spiel unbedingt gewinnen. Damit pusht er die ganze Mannschaft." Gegen Werder meldete der Atlas-Verteidiger gemeinsam mit seinen Nebenleuten Kristian Taag und Philipp Eggert das Bremer Sturmduo Justin Njinmah und Tim van de Schepop, das zusammen 28 Treffer erzielt hat, fast komplett ab. Van de Schepop war davon derart genervt, dass er sich eine Tätlichkeit gegen Sari erlaubte und in der 63. Spielminute die Rote Karte sah.

Spezielles Techniktraining

Sari ist aber nicht nur ein erbitterter Zweikämpfer, der Linksfüßer verfügt auch über eine gute Technik. Schon früh arbeitete er neben dem Vereinstraining mit dem Techniktrainer Matthias Nowak zusammen, der unter anderem auch für die Bundesliga-Frauen das FC Bayern München tätig ist. "Das war Individualtraining, um vor allem die kognitiven Fähigkeiten zu verbessern. Im Training und im Spiel hilft mir das sehr", sagt Kerem Sari. In zwei Schulungsvideos von Nowak ist Sari zu sehen, wie er Übungen absolviert – einmal im Alter von zwölf Jahren, einmal mit 17 Jahren. Sari arbeitete vor einiger Zeit außerdem mit einem Athletiktrainer gezielt an seiner Antrittsschnelligkeit. Keine Frage, der 19-Jährige will im Fußball noch einiges erreichen. "Er arbeitet sehr akribisch und ist in seinem Alter schon ein absolutes Vorbild", unterstreicht Bastian Fuhrken.

Traumziel zweite Liga

Kerem Sari kommt aus der kleinen Stadt Bad Aibling in Oberbayern. Im Januar 2019 verließ er die Heimat, um bei Rot-Weiß Essen in der U 17-Bundesliga zu spielen. Im Sommer 2021 zog er dann nach Delmenhorst. Nachdem er im vergangenen Jahr das Abitur gemacht hat, konzentriert sich Sari aktuell voll auf den Fußball und den SV Atlas. "Wenn es passt, will ich gerne irgendwann noch höher spielen. Darauf arbeite ich hin, die zweite Liga wäre toll", sagt er.

Ausschließlich auf den Fußball setzen will Sari aber nicht, er schaut sich aktuell nach einem passenden Studienfach um. Erst einmal hat er im neuen Jahr aber ehrgeizige Ziele mit dem SV Atlas. "In der Aufstiegsrunde geben wir weiter Gas und wollen etwas erreichen", verspricht der 19-Jährige. "Im Fußball kann alles ganz schnell gehen. Wir haben eine gute Mannschaft und können durchaus unter den Top Drei landen."

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