Fanhilfe Bremen Nach Kontrollen am Bahnhof: Polizei Wolfsburg widerspricht Werder-Fans

Für die Fanhilfe Bremen waren die Kontrollen der Werder-Fans am Wolfsburger Hauptbahnhof Schikane. Nun meldet sich die Polizei zu Wort und erklärt, warum die Aktion so stattfand.
11.08.2022, 12:14
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Nach Kontrollen am Bahnhof: Polizei Wolfsburg widerspricht Werder-Fans
Von Malte Bürger

Für die Fanhilfe Bremen ist die Polizeiaktion am vergangenen Wochenende in Wolfsburg nur eines: Schikane. Zu groß ist noch immer das Entsetzen darüber, dass zahlreiche Anhänger des SV Werder Bremen im Vorfeld des Bundesliga-Duells am dortigen Hauptbahnhof festgesetzt und ihre Personalien kontrolliert worden sind. Nun hat sich die Polizei in Wolfsburg mit einer Erklärung bei unserer Deichstube gemeldet.

„Vor jeder Saison werden alle anstehenden Heimspiele des VfL Wolfsburg kategorisiert. Hierzu werden durch die einsatzführende Dienststelle alle Vorfälle und Geschehnisse beurteilt, die sich auf den Reisewegen, den An- und Abmarschwegen zum Veranstaltungsort und insbesondere im öffentlichen Raum zutragen könnten“, teilte Thomas Figge, Sachbearbeiter Öffentlichkeitsarbeit, mit.

„Auch diesmal erfolgte die polizeiliche Einstufung unter Berücksichtigung der Geschehnisse in der Vergangenheit in Wolfsburg und Bremen und der aktuellen Situation des unmittelbar bevorstehenden Spiels, mit dem Ergebnis, dass die Risikoszenen beider Vereine in einem rivalisierenden Verhältnis zueinanderstehen.“ Genau deshalb sei die Partie mit der Kategorie „Rot“ bewertet worden – unabhängig davon, ob die beiden Vereine selbst die Begegnung als sogenanntes Grün-Spiel eingestuft hatten, wie unter anderem Werder-Präsident Hubertus Hess-Grunewald erklärt hatte.

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Auch zum genauen Ablauf der Aktion nannte die Wolfsburger Polizei jetzt weitere Details. „168 Personen sind in der Kontrollstelle überprüft worden. 270 Personen reisten vor Spielbeginn freiwillig ab, ohne sich polizeilichen Maßnahmen zu unterziehen“, erklärt Figge, der von keinen größeren Zwischenfällen berichtete. „Es kam lediglich zu einer Beleidigung durch einen Fan des SV Werder Bremen zum Nachteil eines Polizeibeamten.“

Für viel Kritik sorgte vor allem die Tatsache, dass sich viele Anhänger vor Ort nicht frei bewegen durften, sogar die Toilettennutzung sei nach Berichten verschiedener Betroffener nicht gestattet gewesen. „Diese Vorwürfe können wir nicht bestätigen. Es gab zudem eine dokumentierte Lautsprecherdurchsage der Polizei, die explizit die Möglichkeit, im Bahnhof Getränke käuflich zu erwerben sowie die Toiletten aufzusuchen, zum Inhalt hatte“, heißt es seitens der Polizei. Auch bei einem anderen Aspekt widersprachen die Beamten den Darstellungen einiger Fans. „Personen, bei denen wir keine Feststellungen hatten, dass sie der rivalisierenden, gewaltgeneigten Risikoszene zugeordnet werden konnten, durften unbegleitet ihren Weg in die Arena fortsetzen oder sich auch sonst frei im Stadtgebiet bewegen“, erklärte der Pressesprecher.

Zuletzt hatte sich unter anderem der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) zu den Ereignissen in Wolfsburg geäußert und eingeräumt, „dass man möglicherweise nicht alles so hätte machen müssen und vor allem hätte man es besser kommunizieren müssen als es geschehen ist“. Darüber hinaus hatte er darauf verwiesen, dass eine Besonderheit darin bestanden habe, dass die ursprünglich geplante Anreise vieler Werder-Fans mit Bussen kurzfristig – nämlich 24 Stunden vorher – umgeworfen worden sei. Diesen Vorwurf wiederum wollte die Fanhilfe Bremen so nicht stehen lassen. „Wenn die Polizei bis 24 Stunden vor dem Spiel noch nichts von dem Neun-Euro-Ticket wusste, können wir auch nicht helfen. Fakt ist, dass die Anreise der Fanszene per Zug schon seit Wochen feststand“, betonte die Fanhilfe via Twitter.

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