Historisches 1:7-Debakel Werder wird von Köln vorgeführt und hilft fleißig mit

Werder Bremen ist mit einer krachenden 1:7-Niederlage ins Fußballjahr 2023 gestartet. Beim 1. FC Köln präsentierten sich die Grün-Weißen desolat und ließen sich regelrecht vorführen. Der Spielbericht.
21.01.2023, 20:31
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Daniel Cottäus

Mit dem Wort Debakel, so lässt es sich im Lexikon nachlesen, wird allgemein „eine schlimme, vernichtende Niederlage“ beschrieben, und so betrachtet hat der SV Werder Bremen am Samstagabend das Musterbeispiel eines Debakels aufgeführt. Mit 1:7 (1:5) ging die Mannschaft von Cheftrainer Ole Werner beim Bundesliga-Re-Start auswärts gegen den 1. FC Köln unter und hatte sich dabei vor allem während des ersten Durchgangs vollkommen kopf- und hilflos präsentiert. Da es auch in Hälfte zwei nicht viel besser wurde, stand am Ende eine der höchsten Niederlagen der Vereinsgeschichte zu Buche: Nur vier Mal hatte Werder zuvor noch höher verloren.

Ole Werner hatte auch im ersten Pflichtspiel des Jahres 2023 wieder auf seine favorisierte 3-5-2-Formation gesetzt, hatte sie allerdings notgedungen personell etwas verändern müssen. Für den verletzten Romano Schmid (Innenbandanriss) rückte Ilia Gruev aus dem defensiven Mittelfeld auf die Achterposition vor, Christian Groß übernahm dafür die Rolle vor der Abwehr. In der Dreierkette bekam Niklas Stark den Vorzug gegenüber Amos Pieper, der unter der Woche wegen Problemen am Sprunggelenk nur eingeschränkt hatte trainieren können und deshalb auf der Bank saß. „Wir werden von Köln nicht viel Zeit bekommen, um ins Spiel zu finden“, hatte Werner kurz vor dem Anstoß noch prophezeit – ohne zu ahnen, wie schnell er mit dieser Einschätzung Recht behalten sollte.

Verunglückte Freistoßvariante leitet Niederlage ein

Während des ersten Durchgangs wurden die Bremer von ihrem Gegner regelrecht auseinandergenommen – und halfen dabei auch noch tatkräftig mit. 5:0 für Köln. Dieser Zwischenstand flimmerte nach exakt 36 Minuten über die Anzeigetafeln des RheinEnergie-Stadions, was nicht wenigen Beobachtern mehr als unwirklich erschien. Schließlich war Werder nach einer bis dato teilweise beeindruckend starken Saison beim kriselnden Effzeh nicht gerade als Außenseiter ins Spiel gegangen, präsentierte sich dann aber vom Anstoß weg völlig indisponiert.

Nach einer verunglückten Freistoß-Variante von Marvin Ducksch und Anthony Jung am Kölner Strafraum liefen die Bremer in einen Konter, den Linton Maina zum frühen 1:0 vollendete (9.). Es war der Auftakt einer großen Werder-Slapstick-Show, denn auch den folgenden Gegentoren gingen zum Teil haarsträubende Fehler voraus. So zum Beispiel beim Kölner 2:0, erzielt in der 15. Minute von Steffen Tigges, das erneut Jung (mit einem katastrophalen Einwurf) und Ducksch (mit einem Fehlpass auf Vorlagengeber Florian Kainz) eingeleitet hatten. Wirklich Zeit, sich von diesem Fehlstart zu erholen, hatten die Gäste nicht, weil sie weiter Aussetzer an Aussetzer reihten.

Lesen Sie auch

Nach einem Ballverlust von Mitchell Weiser musste Torhüter Jiri Pavlenka aus dem Strafraum eilen und klärte den Ball genau vor die Füße von Tigges, der aus 46,7 Metern seinen zweiten Treffer des Abends erzielte – 3:0 (21.). Vor dem 4:0 von Ellyes Skhiri schafften es dann weder Stark noch Weiser, Kölns Maina am Flanken zu hindern, Jung war am zweiten Pfosten zudem viel zu weit weg vom Torschützen (30.). Doch damit war die alptraumgewordene Bremer Halbzeit noch lange nicht vorbei: Denis Huseinbasic durfte nämlich auch noch mal und traf zum 5:0, weil er deutlich handlungsschneller als Marco Friedl agierte (38.). Zuvor hatte Milos Veljkovic dem Ex-Bremer Kainz bei dessen zweitem Assist nur Geleitschutz geleistet.

Historische Negativmarke zur Halbzeit

Dass Werders WM-Fahrer Niclas Füllkrug per Kopf nach einer Ducksch-Ecke auf 1:5 verkürzte, war kurz vor der Pause nicht mehr als eine Randnotiz (38.). Auf der anderen Seite traf Tigges kurz darauf noch den Pfosten (45.). Eine historische Negativmarke hatte Werder aber auch so schon verpasst bekommen: Noch nie hatte der Verein in der Bundesliga fünf Gegentore in einer ersten Halbzeit kassiert.  

Ole Werner wechselte in der Pause zwei Mal, nahm Christian Groß und Marvin Ducksch vom Platz und brachte dafür Niklas Schmidt und Eren Dinkci, was an den Kräfteverhältnisse aber nicht das Geringste veränderte. Stattdessen ging das Bremer Fehler-Festival weiter. Nachdem sich Friedl von Maina hatte austanzen lassen, traf Shkiri per Seitfallzieher zum 6:1 (54.). Und spätestens jetzt war eine zweistellige Werder-Niederlage nicht mehr unvorstellbar – weil die Kölner einfach weiter anrannten und gar nicht daran dachten, den einen oder anderen Gang zurückzuschalten.

Nachdem Maina auf der rechten Angriffsseite mehrere Bremer hatte stehen lassen, war es Friedl, der per Eigentor das 7:1 für die Hausherren besorgte (76.). Dabei blieb es letztlich. Vollkommen geknickt trotteten die Werder-Profis nach dem Schlusspfiff vom Platz. Vielleicht die einzige gute Nachricht des Abends: Bereits am Mittwoch hat die Mannschaft von Ole Werner im Heimspiel gegen Union Berlin die Gelegenheit, es nach diesem desaströsen Köln-Spiel wieder besser zu machen.

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+