Werders Zahlen Das Minus schrumpft, die Zuversicht wächst wieder

Klaus Filbry stellt bei der Werder-Mitgliederversammlung die Zahlen für den Verein vor. Und er kann eine gute Nachricht verkünden: "Wir haben uns stabilisiert", sagt er.
05.09.2021, 13:56
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Von kni/csa

Zu großes Risiko bei Transfers, die Corona-Pandemie und der Abstieg haben dem SV Werder Bremen enorm zugesetzt. Vor knapp einem Jahr drohte sogar die Insolvenz. Auf der Mitgliederversammlung am Sonntag im Weserstadion nannte Werder-Boss Klaus Filbry erstmals öffentlich die tiefroten Zahlen zum schlimmen Absturz des Traditionsvereins. Dem Rekord-Minus von 23,8 Millionen Euro in der Saison 2019/20 folgte in der vergangenen Spielzeit ein Minus von 8,8 Millionen. Filbry wertet diese Entwicklung in der Corona-Pandemie mit fast ausschließlich Geisterspielen aber durchaus als Erfolg. „Ich glaube, dass es in der Bundesliga nicht viele Vereine schaffen, ihr Ergebnis in der zweiten Saison in der Corona-Pandemie um 15 Millionen zu verbessern“, sagt Filbry und betont: „Wir sind runter von der Intensivstation und haben uns stabilisiert. Aber wir werden noch lange mit den finanziellen Folgen der Pandemie zu kämpfen haben.“

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Denn für das Überleben musste sich der SV Werder verschulden. Ende 2020 wurden bei drei Banken mithilfe einer Landesbürgschaft Kredite über insgesamt 20 Millionen Euro aufgenommen. Im Sommer 2021 folgte eine Mittelstandsanleihe, die Werder inzwischen 18 Millionen Euro eingebracht hat – aber den Anlegern auch hohe Zinsen verspricht, die der Klub schon in den nächsten Jahren aufbringen muss. Es ging jeweils darum, die stark gefährdete Liquidität zu sichern und damit die Zahlungsunfähigkeit zu verhindern. Denn Werder ist vor allem durch die fehlenden Ticket-Einnahmen das Geld ausgegangen. Auch TV-Gelder und Sponsoreneinnahmen sanken in Folge der Corona-Krise. In der Saison 2019/20 betrugen die Einbußen laut Filbry acht Millionen Euro, weil nur die letzten sechs Spiele ohne Zuschauer stattfanden. In der vergangenen Saison waren es dann 27 Millionen Euro, die wegen der Anti-Corona-Maßnahmen fehlten. Der Umsatz sank von 157 Millionen Euro (2018/19) über 123,2 Millionen Umsatz (2019/20) auf nun 115,7 Millionen Umsatz.

Für die finanziellen Probleme macht Filbry aber nicht allein die Corona-Krise verantwortlich. Es sei im Sommer 2019 ein Fehler gewesen, auf den in jeder Saison eigentlich zwingend notwendigen Verkauf eines Leistungsträgers zu verzichten. „Wir wollten sportlich den nächsten Schritt machen und haben gemeinsam entschieden, abgestimmt mit Banken, Aufsichtsrat und Gesellschafter, dass wir ein wirtschaftliches Risiko eingehen“, sagt Filbry und erklärt deutlich: „Das würde ich künftig so nicht mehr machen.“ Denn Werder stürzte sportlich ab und konnte ein Jahr später seine Stars auf dem wegen der Corona-Pandemie brachliegenden Transfermarkt nicht mehr vernünftig verkaufen.

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Mit dem Abstieg eine Saison später wurde alles noch schlimmer. Dadurch würden dem Klub neben den Mindereinnahmen durch Corona (35 Millionen Euro) weitere 40 Millionen Euro fehlen. Es galt und gilt also, ein Loch von 75 Millionen Euro zu stopfen. Das sei ohne Kredite nicht möglich gewesen, so Filbry. Aber auch die hätten nicht ausgereicht. Die Kaderkosten mussten gesenkt und zudem dringend Transfererlöse erzielt werden. Beides sei Sportchef Frank Baumann und Clemens Fritz (Direktor Profi-Fußball) in schwierigen Zeiten gelungen, lobt Filbry seine Kollegen. Die Kaderkosten wurden für die laufende Saison um 27 Millionen Euro auf unter 20 Millionen gedrückt, dazu gab es Transfererlöse von etwa 25 Millionen Euro. Die elf Millionen Euro für Milot Rashica (zu Norwich City) übrigens nicht mitgerechnet, der Transfer gehört bilanztechnisch in die Vorsaison. 

„Wir haben unsere Hausaufgaben gemacht“, sagt Filbry und ergänzt noch: „Wir haben die komplette Saison durchfinanziert.“ Die Lizenzauflagen der Deutschen Fußball-Liga (DFL) seien schon vor dem 15. September erfüllt worden, ein Punktabzug deshalb kein Thema. „Und wir werden, wenn es einigermaßen vernünftig mit den Zuschauern läuft, am Ende der Saison ein positives Ergebnis haben“, verspricht der 54-Jährige. Dabei kalkuliert Werder damit, dass bis zum Winter eine halbe und danach eine volle Auslastung des Weserstadions erlaubt sein wird.

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Mit dem positiven Ergebnis gehe es auch darum, die Kredite zu bedienen und das negative Eigenkapital von mehr als 20 Millionen Euro wieder in den Griff zu bekommen. Helfen würde dabei natürlich ein Aufstieg und/oder der Verkauf von Spielern. „Ich habe keine schlaflosen Nächte mehr“, sagt Filbry und fügt mit Blick auf das von Banken und Anlegern zur Verfügung gestellte Geld noch an: „Das Vertrauen neben dem Platz haben wir uns erarbeitet, jetzt geht es darum, das auch auf dem Platz zu schaffen.“

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