Bremer Überseestadt Neustart für den Schuppen 3

Der Schuppen 3 in der Überseestadt bleibt nun auch nicht einmal in Teilen erhalten. Ein Architektenwettbewerb soll darum Ideen liefern für einen „kraftvollen Solitär", der an seine Stelle tritt.
13.06.2019, 05:00
Lesedauer: 3 Min
Zur Merkliste
Von Anke Velten

Seit kurzem steht fest, dass der Schuppen 3 am Europahafen nicht mehr zu retten ist. Damit ist auch der bisherige Architektenentwurf Makulatur. Stadtplanung und Investor haben sich darauf verständigt, das Projekt völlig neu und besser zu konzipieren. Dafür soll ein neuer Architektenwettbewerb ausgelobt werden. Das städtische Gestaltungsgremium erwartet „die moderne Neuformulierung eines Schuppens als kraftvollen und besonderen Solitär in der Überseestadt“. Der Waller Beirat stellt sich dem Neustart nicht in den Weg – vorausgesetzt, die Verantwortlichen halten sich an ihre Zusagen, was Charakter und Nutzung des Neubaus betrifft, und beteiligen die Stadtteilpolitik in jeder Planungsphase.

Ein kurzer Blick zurück. Vor drei Jahren stellte Investor Ingo Damaschke, Chef der in Bremen ansässigen Asset-Firmengruppe, im Ortsamt West seine Pläne für das sogenannte „Europaquartier“ vor. Auf dem 22 000 Quadratmeter-Grundstück zwischen Europahafen und Konsul-Smidt-Straße wird in den kommenden Jahren ein neues Quartier zum Wohnen und Arbeiten entstehen. Mitbedacht werden musste dabei der Umgang mit dem „Schuppen 3“. Obwohl die Lagerhalle aus den 1950er-Jahren nicht unter Denkmalschutz steht, wünschte sich die Stadtplanung den Erhalt der markanten 400 Meter langen wasserseitigen Fassade. Beim ausgewählten Architektenentwurf begnügte man sich mit der Sanierung und baulichen Integration der innenstadtseitigen ersten rund 115 Meter – dem sogenannten „Bauteil A“. Anfang Juni wurde nun bekannt, dass auch dieses letzte übrig gebliebene Teilstück des originalen Hafenschuppens aus bautechnischen und wirtschaftlichen Gründen hinfällig ist und abgerissen wird. Der Waller Beirat, der sich stets für den Erhalt der historischen Substanz eingesetzt hatte, meldete umgehend akuten Gesprächsbedarf an.

Lesen Sie auch

Mit dem Komplettabriss hätten sich nun die Grundbedingungen geändert, erklärte Stadtplanerin Georgia Wedler vor dem Waller Fachausschuss Überseestadt. Mit dem Entwurf, der Anfang 2018 unter zwei zweiten Plätzen eines Architektenwettbewerbes ausgewählt worden war, seien die Stadtplaner „bis zum Schluss nicht glücklich“ gewesen. Vom typischen Charakter des Schuppengebäudes habe man sich im Laufe der Zeit Schritt für Schritt verabschiedet, übrig geblieben sei „eine rote Ziegelfassade mit scheunentorartigen Fenstern“, so Wedler. Aus Sicht der Stadtplaner seien zudem für diverse bauliche und strukturelle Fragen keine zufriedenstellenden Antworten gefunden worden – etwa, was die Tiefgaragenzufahrt und die Gestaltung des Platzes zwischen den Schuppen 1 und 3 betraf. Über den Neustart sei sie „froh und glücklich. Es gibt uns die Chance, die Probleme anders zu lösen.“ Die Entscheidung, die bisherigen Planungen zu kippen, sei unabhängig vom Eigentümerwechsel, wurde auf Nachfrage betont. „Wir können die Argumente aber nachvollziehen und sind bereit, in ein neues Verfahren einzutreten“, erklärte Wolfrat Voigt, Geschäftsführer der Gustav Zech Stiftung, die das Projekt Europaquartier im März dieses Jahres von Damaschke übernommen hat.

Lesen Sie auch

Das Gestaltungsgremium nutzte die Zäsur, um die wesentlichen Rahmenbedingungen klarer zu formulieren. Der Neubau an der Stelle des Schuppens soll die Erinnerung an den, so wörtlich, „historischen Fußabdruck“ aufrechterhalten und neu interpretieren. Grundlage sei die städtebaulich prägende Kontur mit der prägnanten „Nase“, die Richtung Osten weist. Vom Original erhalten bleiben sollen auch die Kranbahn als „identifikationsstiftendes Element“ sowie die Laderampe, deren lange Linie „die Silhouette des Europahafens wohltuend prägt und die Einzelbausteine zum Quartier zusammenschließt.“ Weiterhin gelte, dass das neue Schuppengebäude größtenteils gewerblich genutzt werden und preisreduzierte Mieteinheiten für Kreative vorhalten soll. Das Bildungsressort habe den Bedarf für eine Kita vor Ort bestätigt. Wohnen sei planungsrechtlich zwar zurzeit nicht zulässig, aber in einem geringen Maße denkbar.

Lesen Sie auch

Im Ausschuss wurden die Ausführungen begrüßt: Der bisherige Entwurf „hatte mit dem alten Schuppen nicht viel zu tun“, bekräftigte Grünen-Politikerin Cecilie Eckler-von Gleich. In einem gemeinsamen Beschluss wurden die wesentlichen Forderungen seitens des Beirats konkretisiert und schriftlich fixiert. Zusätzlich zum Erhalt von Kontur, Rampe und Kranbahn wünscht man sich Sheddächer, „die den Wiedererkennungswert unterstreichen“. Innerhalb des Neubaus „müssen“ 1000 Quadratmeter für Kreative zu vergünstigten Konditionen ausgewiesen werden. Weitere 1000 Quadratmeter seien für eine Kindertagesstätte und eine gleichgroße Spielfläche vorzusehen, heißt es weiter. Weiter fordert der Beirat ein Mobilitätskonzept sowie die verpflichtende Nutzung der Tiefgarage. Damit künftige Entscheidungen nicht an der Waller Stadtteilpolitik vorbei getroffen werden, erwartet man die Beteiligung von Vertretern von Beirat und Ortsamt an Planungsgesprächen und Jurysitzungen.

Lesen Sie auch

Lesen Sie auch

Jetzt sichern: Wir schenken Ihnen 1 Monat WK+!
Mehr zum Thema
Lesermeinungen

Das könnte Sie auch interessieren

Einwilligung und Werberichtlinie

Ich erkläre mich damit einverstanden, dass die von mir angegebenen Daten dazu genutzt werden, regelmäßig per E-Mail redaktionelle Inhalte des WESER-KURIER seitens der Chefredaktion zu erhalten. Die Daten werden nicht an Dritte weitergegeben. Ich kann diese Einwilligung jederzeit formlos mit Wirkung für die Zukunft widerrufen, z.B. per E-Mail an widerruf@weser-kurier.de.
Weitere Informationen nach Art. 13 finden Sie unter https://www.weser-kurier.de/datenschutz

Schließen

Das Beste mit WK+