Nach unruhiger Woche Vor Sandhausen-Spiel: Werder-Coach Anfang ignoriert die Kritik

Viel wurde über die Stimmung bei Werder Bremen berichtet. Doch jetzt muss sich die Mannschaft dringend auf das Spiel in Sandhausen vorbereiten. Trainer Markus Anfang geht voran und ignoriert die Kritik.
22.10.2021, 19:55
Lesedauer: 3 Min
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Von Björn Knips

Nachdem Sportchef Frank Baumann mit harten Worten und Unterstellungen auf eine kritische Berichterstattung über Markus Anfang reagiert hatte, setzt der Betroffene selbst mehr auf Ignoranz. Der Coach des SV Werder Bremen gibt zwar zu, dass „eine etwas andere Woche als die Wochen davor“ hinter ihm liege, doch die Kritik an seinem Verhalten lässt er an sich abprallen und richtet den Blick lieber auf das anstehende Gastspiel am Sonntag beim SV Sandhausen.

Letzteres ist mehr als nachvollziehbar: Die Partie beim Drittletzten der 2. Liga dürfte richtungsweisend sein. Bei einer Niederlage würde die Stimmung in Bremen wohl endgültig kippen und die Unstimmigkeiten in und um die Mannschaft könnten noch mehr zutage treten. Anfang selbst schätzt die Lage beim Tabellenzehnten bei Weitem nicht so dramatisch ein.

Wir wollen doch alle erfolgreich sein
Markus Anfang über die Unzufriedenheit im Werder-Umfeld

„Wir haben eben noch nicht die Kontinuität, die Spiele auf dem gleichen Level zu gestalten. Wenn wir dann die Ergebnisse nicht so abliefern, wie auch wir uns das vorstellen, ist es doch logisch, dass eine gewisse Unzufriedenheit im allgemeinen Umfeld da ist. Wir wollen doch alle erfolgreich sein“, sagte der Coach und fügte noch an: „Dann gibt es eben Themen, die da sind, und Themen, die nicht da sind. Und die müssen wir nicht bearbeiten.“ Damit meint er – ohne es explizit anzusprechen – wohl vor allem auch den Bericht unserer Deichstube über Differenzen beim SV Werder. Es geht um die Taktik, aber auch um die Art der Zusammenarbeit. So soll Anfang nicht nur mit Stürmer Niclas Füllkrug angeeckt sein, sondern auch mit anderen Profis sowie mit Mitarbeitern im Betreuerstab. Das Betriebsklima sei gereizt, ist zu hören. Dem widersprach Baumann schon am Mittwoch deutlich und monierte „Mutmaßungen und falsche Behauptungen“. Der Sportchef forderte zudem, dass die Medien die Mannschaft und den Trainer künftig in Ruhe arbeiten lassen sollen.

Anfang legt den Fokus voll auf Sandhausen

Anfang geht mit diesem Thema wesentlich gelassener um. „Dass Kritik kommt, müssen wir auch aushalten können. Meine Arbeit beeinflusst das nicht“, versichert der 47-Jährige. Aus seiner Sicht habe es in dieser besonderen Woche ohnehin nur zwei Themen gegeben. „Zum einen war da der Vorfall mit Niclas, das ist zum Glück in eine gute Richtung gelaufen“, so Anfang. Füllkrug war nach dem 0:3-Desaster in Darmstadt in der Kabine mit Clemens Fritz aneinandergeraten und hatte den Leiter Profifußball dabei offenbar übel beleidigt. Dafür wurde er für drei Tage vom Training suspendiert und musste eine Geldstrafe bezahlen. „Das andere Thema war, dass wir es nach dem richtig guten Spiel gegen Heidenheim nicht geschafft haben, in Darmstadt entsprechend nachzulegen. Das ist schade. Denn ich finde, dass wir die nötige Qualität haben und es auch können“, sagt Anfang: „Diese beiden Themen haben wir abgearbeitet und werden uns jetzt auf Sandhausen konzentrieren.“

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Dort erwartet der Werder-Coach ein ähnliches Spiel wie in Darmstadt. Doch diesmal soll alles anders werden, es kein drittes desaströses 0:3 nach Dresden und Darmstadt geben. Aber warum eigentlich? Weil der Tabellenzehnte wieder mehr nach vorne denken und den Ball nicht mehr so ängstlich nach hinten spielen will. „Wir sind eine Mannschaft, die viele Torchancen kreieren und viel aufs Tor schießen kann, das zeigen die Statistiken“, hebt Anfang hervor. Und in der Tat: Mit 155 Torschüssen liegt Werder im Ranking der 2. Liga ganz oben, bei der Effektivität aber nur auf Platz 13. Anfang fordert nun wieder mehr Mut und vor allem auch Aufmerksamkeit. Die Räume, um sich nach vorne zu spielen, seien in Darmstadt durchaus da gewesen. Das habe er den Spielern in der Video-Analyse noch einmal verdeutlicht. Und die Mannschaft sei dabei selbst in die Diskussion gegangen. Die Bereitschaft dieses jungen Teams, sich weiterzuentwickeln, sei enorm, so Anfang.

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"Es ist schwierig in Sandhausen zu spielen"

„Wir können in Sandhausen zeigen, dass wir ein Stück daraus gelernt haben, aber wir können keine Ergebnisse planen. Das geht im Fußball nicht. Du kannst einen Konter bekommen und dadurch das Spiel verlieren“, meint der Coach: „Aber du musst mit Überzeugung nach vorne spielen, dann kannst du einen Sieg auch erzwingen.“ Das wird in Sandhausen auch bitter nötig sein. „Es ist schwierig dort zu spielen“, weiß Anfang aus eigener Erfahrung. Dreimal ist er mit seinen Teams am Hardtwald angetreten. Mit Kiel (1:3) und Darmstadt (2:3) setzte es Niederlagen, mit dem 1. FC Köln feierte er einen 2:0-Sieg. So einen Erfolg könnte nicht nur Anfang, sondern auch Werder aktuell gut gebrauchen. Denn nach drei Niederlagen und nur einem Sieg in den letzten vier Partien ist der Druck beim Absteiger schon nach zehn Spieltagen ziemlich groß, wie Baumann selbst nach der Darmstadt-Pleite verkündet hatte: „Wir haben jetzt schon zu viele Punkte hergeschenkt. Das müssen wir schnellstmöglich ändern. Sonst wird es eine Saison, in der wir unsere Ziele wieder nicht erreichen.“ 

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